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Herzogtum Nassau
Das Herzogtum Nassau war einer der Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes. Das
Land bestand nur 60 Jahre lang, von 1806 bis 1866. Es lag auf dem Gebiet der
heutigen Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz, seine Hauptstadt war
Wiesbaden.
Geographie
Das Gebiet des Herzogtums war im wesentlichen deckungsgleich mit den
Mittelgebirgen Taunus und Westerwald. Die südliche und westliche Grenze bildeten
der Main und der Rhein, den Norden des Landes durchfloss die Lahn. Die größten
Städte waren Wiesbaden (4000 Einwohner), Limburg an der Lahn (2700) und Höchst
am Main (1600). Die östlichen Nachbarstaaten waren das Großherzogtum Hessen, die
Landgrafschaft Hessen-Homburg und die Freie Stadt Frankfurt, im Westen lag die
zu Preußen gehörende Rheinprovinz mit ihrer östlichen Exklave, dem Kreis
Wetzlar.
Geschichte
Bis 1817 residierten die Herzöge auf Schloss Weilburg.
Schloss Biebrich am Rhein war 1817-41 der Sitz der nassauischen Herzöge, danach
nur noch Sommerresidenz.
Das 1841 fertiggestellte Stadtschloss Wiesbaden löste Biebrich als Residenz der
nassauischen Herzöge ab.Das Heilige Römische Reich deutscher Nation hatte zu
Beginn des 19. Jahrhunderts nach 900 Jahren ein Ende gefunden und neue
politische Ordnungen bildeten sich. Die politische Landkarte Europas wurde
grundlegend verändert.
Am 17. Juli 1806 traten der Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen und sein
Vetter Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg dem Rheinbund bei. Im
Gegenzug erhielt dafür Fürst Friedrich August, der Älteste des Hauses Nassau,
die Herzogswürde. Beide Fürsten fällten sodann die Entscheidung, ihre beiden
Fürstentümer zu einem Herzogtum zu vereinen. Dies wurde am 30. August 1806
vollzogen. Das Herzogtum Nassau wurde allein durch den Willen Kaiser Napoleons
ins Leben gerufen, unterstützt und mitgetragen durch die Entscheidung der beiden
Fürsten. Dies ohne jegliche Wahlen, Krönungen oder Einbezug der Untertanen. Aus
mehr als 20 vorher selbstständigen Teilen und Territorien, säkularisierten und
ehemals dem Reich unterstellten Gebieten samt unterschiedlichen Bekenntnissen,
Interessen und Hoffnungen wuchs ein gemeinsames Land. Das prosperierende
Herzogtum hatte knapp 300.000 Einwohner, davon 82.360 Lutheraner, 78.805
Reformierte und 125.041 Katholiken, dazu etwa 5000 Juden und 170 Mennoniten. Die
Untertanen waren zumeist Bauern, Winzer oder Handwerker.
Die neuen Herzöge erließen neue Gesetze wie zum Beispiel die Aufhebung der
Leibeigenschaft (1806), die Einführung der Reise- und Niederlassungsfreiheit
(1810) und eine grundlegende Steuerreform (1812). Entehrende Körperstrafen
wurden aufgehoben und die Kulturverordnung förderte die eigenverantwortliche
Verfügung über Grund und Boden. Am 2. September 1814 wurde mit der
Landesständischen Verfassung die erste Verfassung eines deutschen Staates
erlassen. Sie umfasste die Freiheit des Eigentums, religiöse Toleranz und die
Freiheit der Presse. Die Verfassung wurde maßgeblich durch Heinrich Friedrich
Karl Freiherr vom Stein beeinflusst. Darüber hinaus wurden mit Unterstützung der
Herzöge zahlreiche Bildungsvereine gegründet, die überwiegend noch heute
bestehen und deren Sammlungen zum Großteil im heutigen Museum Wiesbaden
untergebracht sind. Aufgrund der religiösen Heterogenität führte Nassau 1817 die
Simultanschulen ein. Am 14. März 1818 führt Nassau erstmals in Deutschland ein
flächendeckendes staatliches Gesundheitssystem ein.
Mit Gründung des Herzogtums 1806 gab es auch ein einheitliches nassauisches
Heer. Es wurde von Napoleon, dem „Paten“ des neuen Herzogtums, nach Belieben
eingesetzt. Zunächst waren die Nassauer zum Beispiel Besatzungstruppen in Berlin
(1806). Zwei Regimenter Infanterie und zwei Schwadronen Kavallerie mussten für
Napoleon in Spanien mehr als fünf Jahre kämpfen - es kam nur die Hälfte der
eingesetzten Nassauer zurück.
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Nassau Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes.
Ministerpräsident wurde der diplomatische Vertreter der Niederlande auf dem
Wiener Kongress, Hans Christoph Ernst von Gagern. Ein Jahr später wurde der
Regierungssitz von Weilburg nach Wiesbaden verlegt.
Nachdem sich das Herzogtum Nassau im Deutschen Krieg an die Seite Österreichs
gestellt hatte, war es mit dem Herzogtum Nassau vorbei. Es wurde 1866 von
Preußen annektiert. Daran konnte auch der Sieg Nassaus über Preußen am 12. Juli
1866 vor den Toren Nastättens, in der Nähe von Wiesbaden, in der „Schlacht bei
Zorn“ nichts ändern, denn es handelte sich - für damalige Zeiten - nur um ein
für den Kriegsverlauf unerhebliches Scharmützel.
Nach 1866
Nassau wurde 1868 mit den ebenfalls von Preußen annektierten Staaten Freie Stadt
Frankfurt und Kurfürstentum Hessen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau
zusammengefasst. Provinzhauptstadt wurde die bisherige kurhessische
Residenzstadt Kassel. Nassau und Frankfurt bildeten den Regierungsbezirk
Wiesbaden.
1945 wurde ein Teil des früheren Nassaus französisch besetzt und bildete den
Regierungsbezirk Montabaur in Rheinland-Pfalz. Der andere Teil wurde
amerikanisch besetzt und dem Land Hessen zugeteilt.
Das Haus Nassau regiert heute noch im Königreich der Niederlande
(Oranien-Nassau) und im Großherzogtum Luxemburg (Nassau-Weilburg).
Herzöge
Herzog Adolf I.Herzöge von Nassau Regent Geburtstag Todestag Regierungszeit
Friedrich August 23. April 1738 24. März 1816 30. August 1806 - 24. März 1816
Wilhelm I. 14. Juni 1792 20. August 1839 24. März 1816 - 20. August 1839
Adolf I. 24. Juli 1817 17. November 1905 20. August 1839 - 20. September 1866
Verwaltungsgliederung
Nassau wurde am 4. April 1816 zum Zwecke der lokalen Verwaltung in 28 Ämter
unterteilt. Die nassauischen Ämter waren, wie auch in einigen anderen deutschen
Staaten, die Vorläufer der späteren Landkreise, umfassten aber in der Regel ein
kleineres Gebiet als diese. An der Spitze der Ämter stand, als örtlicher
Statthalter des Herzogs, ein Amtmann. Die Amtseinteilung wurde teilweise von den
Vorgängerstaaten, etwa Kurmainz, übernommen.
Ähnlich wie im benachbarten Großherzogtum Hessen kam es gegen Mitte des
Jahrhunderts zu einer kurzlebigen Verwaltungsreform. Am 4. April 1849 wurden die
Ämter durch 10 Kreise ersetzt. Die Reform wurde jedoch bereits am 1. Oktober
1854 wieder rückgängig gemacht, die Kreise wieder abgeschafft und die Ämter
wiederhergestellt.
Kreis Hachenburg
Kreis Hadamar
Kreis Herborn
Kreis Höchst
Kreis Idstein
Kreis Langen-Schwalbach
Kreis Limburg
Kreis Nassau
Kreis Rüdesheim
Kreis Wiesbaden
Erst nach der preußischen Annexion, als aus dem bisherigen Herzogtum und einigen
anderen Gebieten 1867 der Regierungsbezirk Wiesbaden wurde, wurde das
nassauische Gebiet in Landkreise eingeteilt, die i. d. R. bis zu den
Gebietsreformen der 1970er Jahre Bestand hatten.
Quelle:http://de.wikipedia.org
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